Die Weisheit der Pflichten der Hajj und der ʿUmrah und ihre Reihenfolge (im Ablauf)

Frage 256895

Ich möchte die Weisheit hinter allen Handlungen der ʿUmrah und der Hajj wissen. Was ist die beabsichtigte Weisheit dahinter, und was ist die Weisheit in der Reihenfolge, in der sie ausgeführt werden? Denn ich möchte die ʿUmrah und Hajj vollziehen, aber ich möchte mich zuerst darauf vorbereiten, damit ich diese gesegneten Handlungen mit voller Konzentration und Verständnis durchführen kann.

Inhalt der Antwort

Alles Lob gebührt Allah, und der Segen und Frieden seien auf den Gesandten Allahs. Um fortzufahren:

Erstens: Die göttliche Offenbarung hat uns auf die allgemeinen Weisheiten und Ziele der Vorschrift von Hajj und ʿUmrah hingewiesen. Diese sind zusammengefasst im folgenden Vers aus dem Qur'an: Und rufe unter den Menschen die Pilgerfahrt aus. Sie werden zu Fuß und auf jedem mageren Kamel zu dir kommen. Und sie werden aus jedem (tief) entfernten Pfad daherkommen, damit sie (allerlei) Nutzen für sich erfahren und den Namen Allahs an wohlbekannten Tagen über den aussprechen, womit Er sie an den Vierfüßlern unter dem Vieh versorgt hat. So esst (selbst) davon und gebt dem Notleidenden, dem Armen zu essen. Hierauf sollen sie ihre Riten (der Pilgerfahrt) und ihre Ungepflegtheit beenden, ihre Gelübde erfüllen und die Umrundung um das alt(ehrwürdig)e Haus vollziehen.“ (Surah Al-Hajj, Verse 27–30)

Man meidet jede Form des Schirk (Beigesellung), einschließlich falscher Rede – wie im Vers erwähnt – und vollzieht den Hajj und die ʿUmrah allein für Allah. Allah sagt: Und vollzieht die Pilgerfahrt („Hajj“) und die Besuchsfahrt („ʿUmrah“) für Allah. (Surah Al-Baqarah, Vers 196)

Der Gefährte Jabir Ibn ʿAbdillah – möge Allah mit ihm zufrieden sein – berichtete über die Hajj des Propheten - Allahs Segen und Frieden auf ihm -: „… Dann sprach er die Talbiya aus, indem er den Tauhid bekräftigte: „Labbayka Allahumma labbayk, labbayka la sharika laka labbayk. Inna l-hamda wan-niʿmata laka wal-mulk, la sharika lak.” (O Allah, hier bin ich, hier bin ich. Du hast keinen Partner, hier bin ich. Wahrlich, aller Lobpreis, Gunst und Herrschaft gehören Dir. Du hast keinen Partner.)“ Überliefert von Muslim, Hadith Nr. 1218.

Ibn Al-Qayyim – möge Allah ihm barmherzig sein – sagte: „Was die Hajj betrifft, so ist ihr Wesen etwas ganz Besonderes, das nur die erkennen, die auf dem Weg der Gottesliebe weit vorangeschritten sind. Seine Bedeutung ist so erhaben, dass Worte sie nicht vollständig erfassen können. Hajj ist ein spezieller Ausdruck des reinen Monotheismus (Hanifiyyah). Manche sagten: Der Ausdruck 'hunafaʾ lillah' (aufrecht im Glauben an Allah) bedeutet: als Pilger. Allah hat Sein Haus als Stütze für die Menschheit gemacht – die Welt steht sozusagen auf diesem Haus. Ibn ʿAbbas sagte: „Würden alle Menschen in einem Jahr die Hajj auslassen, würde der Himmel auf die Erde stürzen.“ Das Haus Allahs ist also ein Grundpfeiler der Welt – solange es besucht wird, bleibt die Welt bestehen.“ „Miftaḥ Dar As-Saʿadah“ (2/869)

Shaykh Ibn Baz – möge Allah ihm barmherzig sein – sagte: „Die Hajj ist ein Aufruf zur Einheit Allahs, zur Standhaftigkeit auf Seinem Weg, zur Befolgung dessen, womit Er Seinen Gesandten Muhammad - Allahs Segen und Frieden auf ihm - gesandt hat. Das Erste, was der Pilger sagt, ist die Talbiya: „Labbayk Allahumma labbayk...“ – darin erklärt er seinen Monotheismus, seine Aufrichtigkeit zu Allah und dass Allah keinen Partner hat. Ob beim Tawaf, beim Saʿi, beim Rasieren oder Kürzen der Haare, beim Opfern oder bei den Bittgebeten – alles ist reine Anbetung Allahs.“ „Majmuʿ Fatawa Ibn Baz“ (16/186–187)

Jeder Ritus beinhaltet die Erinnerung an Allah – wie im Vers heißt: „… damit sie den Namen Allahs an wohlbekannten Tagen aussprechen …“

Allah sagt auch: Hierauf strömt weiter, woher die (anderen) Menschen weiterströmen, und bittet Allah um Vergebung. Wahrlich, Allah ist allvergebend und barmherzig. Wenn ihr hierauf eure Riten vollzogen habt, dann gedenkt Allahs, wie ihr eurer Väter gedenkt, oder mit noch innigerem Gedenken. Und unter den Menschen gibt es manch einen, der sagt: „Unser Herr, gib uns im Diesseits“, aber er hat am Jenseits keinen Anteil. (Surah Al-Baqarah, Verse 198–199)

Ibn Al-Qayyim sagte: „Vielmehr ist das Gedenken an Allah das eigentliche Wesen der Hajj, sein Kern und Ziel. Der Prophet – Allahs Segen und Frieden auf ihm - sagte: „Der Tawaf um das Haus, der Saʿy zwischen Safa und Marwa und das Werfen der Steine – all das wurde nur für das Gedenken an Allah vorgeschrieben.“ „Madarij As-Salikin“ (4/2537)

Und Shaykh Ibn Baz – möge Allah ihm barmherzig sein – sagte: „Der Dhikr (das Gedenken an Allah) gehört zu den Nutzen, die im folgenden Vers erwähnt werden:damit sie (allerlei) Nutzen für sich erfahren und den Namen Allahs an wohlbekannten Tagen über den aussprechen, womit Er sie an den Vierfüßlern unter dem Vieh versorgt hat.“ (Surah Al-Hajj, 28) Und das Erwähnen des Gedenkens zusätzlich zu den Nutzen ist ein Beispiel für das Stilmittel des Erwähnens des Besonderen nach dem Allgemeinen – um dessen Bedeutung hervorzuheben. Und vom Propheten – Allahs Segen und Frieden auf ihm - ist überliefert: „Der Tawaf um das Haus, das Saʿy zwischen Safa und Marwa und das Werfen der Steinchen wurden nur eingesetzt, um das Gedenken an Allah zu verwirklichen.“ Ebenso ist im Buch Allahs vorgeschrieben, Allah beim Opfern zu gedenken, und ebenso beim Werfen der Steine. Alle Handlungen des Hajj sind Gedenken an Allah – mit Worten und mit Taten.
Die Hajj in ihrem ganzen Ablauf – mit all ihren Handlungen und Worten – ist Gedenken an Allah, den Erhabenen.“ „Majmuʿ Fatawa wa-Maqalat Ibn Baz“ (Band 16, S. 185–186)

In der Hajj und der ʿUmrah verwirklichen sich zahlreiche religiöse und weltliche Vorteile – sowohl für die Pilger selbst als auch für die Einwohner der heiligen Stätten. Darauf weist der Vers hin: damit sie (allerlei) Nutzen für sich erfahren“ (Surah Al-Hajj, Vers 28)

Schaykh ʿAbdur-Rahman As-Saʿdi – möge Allah ihm barmherzig sein – sagte: „Das bedeutet: Damit sie im Haus Allahs Nutzen erlangen – religiöse Nutzen, wie wertvolle Gottesdienste und besondere Handlungen, die nur dort möglich sind; und weltliche Nutzen, wie Erwerb, Handel und Profit. All das ist offensichtlich und jedem bekannt.“ „Tafsir as-Saʿdi“ (S. 536)

Von diesen Nutzen (sind): Die Versammlung der Muslime aus allen Regionen der Erde: Sie lernen sich kennen, profitieren voneinander durch Wissen, Handel und Erfahrung, und ihre Einheit wächst – durch das gemeinsame Ziel, die einheitliche Kleidung, die gleiche Haltung und den gleichen Ort. Das einheitliche äußere Erscheinungsbild der Muslime: Alle befinden sich gleichzeitig an denselben heiligen Orten, verrichten dieselben Handlungen, tragen dieselbe Kleidung (nur zwei Tücher: Izar und Ridaʾ), in völliger Demut und Unterwerfung vor Allah, dem Erhabenen. Die vorgeschriebenen und empfohlenen Opfertiere: Sie sind Ausdruck der Ehrfurcht vor den Geboten Allahs, der Genuss des Fleisches bringt Freude und Versorgung für die Pilger und die Verteilung an Arme stärkt soziale Gerechtigkeit. Siehe: „Majmuʿ Fatawa wa-Rasaʾil al-ʿUthaymin“ (Band 24, S. 241)

Zweitens: Die Weisheit hinter der Reihenfolge der Riten der Hajj und ʿUmrah

Die Weisheit hinter der Reihenfolge der Handlungen der Hajj und der ʿUmrah ist klar und offensichtlich: Der Beginn ist mit dem Ihram (Eintritt in den Weihezustand) und dem Aussprechen der Talbiyah. Damit erklärt der Muslim seinen Eintritt in den Zustand des Hajj oder der ʿUmrah und seine Verpflichtung zur Einhaltung der damit verbundenen Regeln. Dann beginnt man mit dem Tawaf (Umkreisung der Kaaba) bei der Ankunft in Mekka, denn das Haus Allahs (die Kaaba) ist das Wichtigste im Heiligen Bezirk, und der Tawaf ist einer der wichtigsten Säulen der Hajj und der ʿUmrah. Es ist also passend, mit ihm zu beginnen. Nach Abschluss der rituellen Handlungen rund um das Haus folgt der Saʿi zwischen Safa und Marwa, da dieser Ort nahe am Haus liegt. Danach folgt das Übernachten in Mina, als Vorbereitung auf den wichtigsten Ritus der Hajj: den Aufenthalt in ʿArafah. Danach das Übernachten in Muzdalifah, das auf dem Weg zu den nächsten Riten nach dem Aufenthalt in ʿArafat liegt. Dort ruht sich der Pilger aus, um sich auf die Handlungen des Opfertages vorzubereiten. Dann kommt das Werfen der Steine (Ramy al-Dschamarat), das in Mina durchgeführt wird, welches direkt nach Muzdalifah liegt. Danach folgen das Scheren oder Rasieren der Haare und das Schlachten der Opfertiere, denn dies ist der Festtag (ʿId). Daraufhin folgt ein weiterer Tawaf (Tawaf Al-Ifadha) um die Kaaba, als Dank an Allah für die Vollendung der wichtigsten Handlungen des Hajj. Dann bleibt der Pilger in Mina während der Tage des Taschriq, denn dort schlachtete der Prophet – Allahs Segen und Frieden auf ihm - seine Opfertiere. Diese Tage sind dafür bestimmt, Allahs zu gedenken, Opfertiere zu schlachten, davon zu essen und den Armen zu geben. Nubaysha al-Hudhali berichtete, dass der Gesandte Allahs - Allahs Segen und Frieden auf ihm - sagte: „Die Tage des Taschriq sind Tage des Essens, Trinkens und des Gedenkens an Allah.“ Überliefert von Muslim, Hadith Nr. 1141. Deshalb ist das Fasten in diesen Tagen verboten, außer für jemanden, der kein Opfertier finden konnte: Überliefert von ʿUrwah, von ʿAʾisha und von Salim von Ibn ʿUmar – Allahs Wohlgefallen auf allen –, dass sie sagten: „Das Fasten an den Tagen des Taschriq wurde nur für denjenigen erlaubt, der kein Opfertier gefunden hat.“ Überliefert von Al-Bukhari, Hadith Nr. 199.) Schließlich kehrt der Pilger nach Mekka zurück, um den Abschiedstawaf (Tawaf Al-Wadaʿ) zu vollziehen und die Stadt zu verlassen.

Ibn Al-Qayyim – möge Allah ihm barmherzig sein – sagte: „Was die verborgenen Geheimnisse dieser Anbetungshandlungen betrifft – wie der Ihram, das Meiden gewohnter Verhaltensweisen, das Entblößen des Kopfes, das Ablegen der üblichen Kleidung, das Umkreisen des Hauses, das Stehen in ʿArafah, das Werfen der Steine und die übrigen Riten der Hajj – so bezeugen gesunde Vernunft und aufrichtige Naturen ihre Schönheit. Und man erkennt: Wer diese Riten vorgeschrieben hat, dessen Weisheit ist unvergleichlich.“Miftah Dar As-Saʿadah“ (Band 2, S. 869)

Einige Gelehrte haben versucht, detaillierte Weisheiten hinter bestimmten Handlungen des Hajj und der ʿUmrah zu erklären. So wurde zu einigen (Weisheiten) davon gesagt: Die Weisheit hinter dem Verbot genähter Kleidung im Ihram-Zustand: Die Ständige Kommission für religiöse Forschung und Rechtsfragen (Al-Lajna Ad-Daʾima) wurde gefragt: „Warum hat Allah es den Pilgern verboten, genähte Kleidung zu tragen? Was ist die Weisheit dahinter?“

Antwort der Kommission: Erstens: Allah hat die Hajj für jeden verpflichtend gemacht, der dazu in der Lage ist – einmal im Leben, und es ist eine der Säulen des Islam, worüber unter Muslimen kein Zweifel besteht. Der Muslim ist verpflichtet, das zu erfüllen, was Allah ihm vorgeschrieben hat – aus Liebe zu Allah, Gehorsam gegenüber Seinem Befehl, in der Hoffnung auf Seinen Lohn und aus Furcht vor Seiner Strafe. Der Muslim glaubt dabei fest, dass Allah in Seiner Gesetzgebung und in allen Seinen Handlungen vollkommen weise und barmherzig ist – Er schreibt Seinen Dienern nur das vor, was ihnen Nutzen bringt und was ihnen Gutes in dieser Welt und im Jenseits bringt. Die Gesetzgebung gehört einzig unserem weisen König und Herrn. Und dem Diener obliegt es, zu gehorchen und sich Allahs Geboten zu unterwerfen – auch wenn er nicht jede Einzelheit der Weisheit versteht. Zweitens: Bezüglich der Weisheiten hinter dem Verzicht auf genähte Kleidung (Mukhit) bei der Hajj und der ʿUmrah, so gibt viele Weisheiten und Bedeutungen hinter der Vorschrift, im Zustand des Ihram auf genähte Kleidung zu verzichten. Dazu gehört: Erinnerung an den Zustand der Menschen am Tag der Auferstehung: Denn sie werden am Tag der Auferstehung barfuß, nackt und unbeschnitten auferweckt, bevor sie dann bekleidet werden. Dieses Gedenken an das Jenseits wirkt mahnend und lehrend. Demütigung und Zähmung der Seele: Der Mensch soll sich seiner Kleinheit und Bedürftigkeit vor Allah bewusst werden. Das fördert Bescheidenheit und reinigt das Herz vom Schmutz des Hochmuts. Bewusstsein für Gleichheit, Verzicht und Brüderlichkeit: Es ruft zur Nähe zueinander, zur sozialen Gleichheit und zur genügsamen Lebensweise auf – und weg vom verhassten Luxus. Außerdem fördert es Mitgefühl mit den Armen und Bedürftigen. Und all das gehört zu den Zielen der Hajj, so wie Allah ihn vorgeschrieben hat und der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden auf ihm - ihn erklärt hat. Unterzeichnet von der „Ständigen Kommission für islamische Forschung und Rechtsfragen“: ʿAbdullah Ibn Quʿud, ʿAbdullah Ibn Ghudaiyan, ʿAbd Ar-Razzaq ʿAfifi, ʿAbd Al-ʿAziz Ibn Baz „Fatawa Al-Lajna Ad-Daʾima“ (Band 11, Seiten 179–180).

Weisheit hinter dem Ṭawaf und dem Küssen des Schwarzen Steins

Schaykh Ibn ʿUthaymin – möge Allah ihm barmherzig sein – sagte: „Die Weisheit des Ṭawaf (Umrundung der Kaaba) hat der Prophet – Allahs Segen und Frieden auf ihm - selbst erklärt, als er sagte: ‚Wahrlich, der Tawaf um das Haus, das Saʿi zwischen Safa und Marwa, und das Werfen der Steine wurden nur eingesetzt, damit das Gedenken Allahs aufrechterhalten wird.‘ Der Pilger, der um das Haus Allahs kreist, tut dies mit einem Herzen, das voller Ehrfurcht und Großachtung gegenüber Allah ist – und das führt zum Gedenken an Allah. Seine Bewegungen – das Gehen, das Küssen oder Berühren des Schwarzen Steins und der Jemenitischen Ecke sowie das Deuten auf den Stein – sind ebenfalls Formen des Gedenkens an Allah, weil sie Teil des Gottesdienstes sind. Und jede gottesdienstliche Handlung ist Dhikr Allahs, im weiteren Sinne. Was aber die Worte betrifft – also das Sprechen von Takbir (Allahu Akbar), Lobpreisungen, Bittgebete usw. – so ist das offensichtlich ein Teil des Gedenkens.

Was das Küssen des Schwarzen Steins betrifft: Es ist ein Akt des Gottesdienstes. Der Mensch küsst einen Stein, der ihm an sich keinen Nutzen bringt, allein deshalb, weil es eine reine Anbetung Allahs darstellt – als Nachahmung des Propheten – Allahs Segen und Frieden auf ihm. Wie es von ʿUmar Ibn Al-Khattab überliefert ist, dass er sagte, als er den Schwarzen Stein küsste: „Ich weiß gewiss, dass du nur ein Stein bist – du nützt nicht und schadest nicht. Und wenn ich nicht gesehen hätte, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden auf ihm - dich küsst, hätte ich dich nicht geküsst.“ Was jedoch einige unwissende Leute glauben – nämlich, dass das Küssen des Steins dazu diene, Segen (Barakah) daraus zu ziehen – dafür gibt es keinerlei Grundlage und dieser Gedanke ist ungültig (Batil). „Majmuʿ Fatawa Wa-Rasaʾil Ibn ʿUthaymin“ (Band 2, S. 318–319)

Der Hadith-Gelehrte Al-Hafiz Ibn Hajar – möge Allah ihm barmherzig sein – sagte: Al-Muhallab sagte: „Das Küssen des Schwarzen Steins wurde vorgeschrieben als eine Prüfung,
damit man durch das Beobachten erkennt, wer Allah wirklich gehorcht. Das ist vergleichbar mit der Geschichte von Iblis, dem befohlen wurde, sich vor Adam niederzuwerfen.“ Und Ibn Hajar fährt fort: „In der Aussage von ʿUmar (dass er den Stein nur küsste, weil er den Propheten – Allahs Segen und Frieden auf ihm - das tun sah), liegt ein vollständiges Sich-Fügen gegenüber dem Gesetzgeber (Allah) und eine gute Nachahmung auch in Dingen, deren Weisheit nicht offensichtlich ist.“ Dies ist eine gewaltige Grundlage im Befolgen des Propheten – Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst dann, wenn man die Weisheit dahinter nicht kennt oder versteht.  „Fath Al-Bari“ (Band 3, Seite 463)

Von Ibn ʿAbbas – möge Allah mit ihm zufrieden sein – wurde überliefert, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden auf ihm - sagte: „Bei Allah! Allah wird ihn (den Schwarzen Stein) am Tag der Auferstehung auferwecken – er wird Augen haben, mit denen er sieht, und eine Zunge, mit der er spricht. Er wird Zeugnis ablegen für denjenigen, der ihn mit Recht berührt hat.“ Überliefert von at-Tirmidhi (961), der sagte: „Ein guter Hadith“. Als authentisch eingestuft von Al-Albani in Sahih Sunan At-Tirmidhi (1/493)

Zum Saʿi zwischen As-Safa und Al-Marwa: Der Gelehrte Ash-Shaykh Muhammad Al-Amin Ash-Schinqiti– möge Allah ihm barmherzig sein – sagte: Die Weisheit hinter dem Saʿi wurde direkt im authentischen Hadith überliefert: In Sahih Al-Bukhari wird von Ibn ʿAbbas berichtet: In der Geschichte, wie Ibrahim seine Frau Hajar und seinen Sohn Ismaʿil in Mekka zurückließ, ließ er bei ihnen einen Beutel mit Datteln und einen Wasserschlauch. Hajar stillte ihr Kind und trank vom Wasser. Als das Wasser ausging, hatte sie Durst, und ihr Sohn Ismaʿil auch. Als sie ihn vor Durst sich winden und wälzen sah, lief sie voller Sorge los, um Hilfe zu suchen: Der Hügel As-Safa war der ihr nächste, also stieg sie darauf. Sie schaute ins Tal, ob sie jemanden sehen konnte – sie sah niemanden. Dann lief sie hinab, durchquerte das Tal – in der Art, wie ein erschöpfter Mensch läuft. Sie stieg den zweiten Hügel Al-Marwa hinauf, schaute – wieder sah sie niemanden. „Und sie begann, auf ihn zu schauen, wie er sich vor Durst wand – oder er sagte: wie er sich vor Qual auf dem Boden wälzte. Da ging sie los – weil sie es nicht ertragen konnte, ihn in diesem Zustand zu sehen. Sie fand, dass der Hügel Safa der nächste Berg in ihrer Nähe war, also stieg sie auf ihn hinauf, dann wandte sie sich dem Tal zu, um zu sehen, ob sie jemanden entdecken könne – aber sie sah niemanden. Dann stieg sie von Safa herab, und als sie das Tal erreichte, hob sie den Saum ihres Gewandes, und sie lief, wie ein erschöpfter Mensch läuft, bis sie das Tal überquert hatte und den Hügel Marwa erreichte. Sie stieg hinauf, schaute, ob sie jemanden sah – doch sie sah niemanden. Sie tat das sieben Mal. Ibn ʿAbbas sagte: Der Prophet – Allahs Segen und Frieden auf ihm sagte: „Das ist der Grund, warum die Menschen zwischen ihnen (Safa und Marwa) den Saʿi machen.“  Und die Aussage des Propheten – Allahs Segen und Frieden - in diesem Hadith: „Das ist der Grund, warum die Menschen zwischen ihnen (Safa und Marwa) den Saʿi machen“, enthält einen ausreichenden Hinweis auf die Weisheit des Saʿi zwischen den beiden Hügeln. Denn Hajar lief diesen Weg, während sie sich in einer extremen Notlage und größtem Mangel gegenüber ihrem Herrn befand: Die Frucht ihres Herzens, ihr Sohn Ismaʿil, lag vor ihr, sich vor Durst windend, in einem Land ohne Wasser und ohne jeglichen Menschen. Auch sie selbst litt unter Hunger und Durst, in einer äußersten Lage der Abhängigkeit und Not gegenüber ihrem Schöpfer – gepriesen sei Er. Aus dem Ausmaß ihres Kummers (heraus) stieg sie auf den einen Hügel, und als sie nichts sah, rannte sie zum anderen und stieg auch dort hinauf, in der Hoffnung, jemanden zu entdecken. Daher wurde den Menschen vorgeschrieben, zwischen Safa und Marwa zu laufen, damit sie sich bewusstwerden, dass ihre Bedürftigkeit und Abhängigkeit von ihrem Schöpfer und Versorger genauso groß ist, wie die von jener Frau in jenem schweren Moment der Angst und Bedrängnis. Und damit sie sich daran erinnern, dass wer Allah gehorcht – wie Ibrahim – Frieden auf ihm – von Allah nicht im Stich gelassen wird und dass sein Bittgebet nicht unerfüllt bleibt. Dies ist eine klare und tiefgreifende Weisheit, die durch einen authentischen Hadith belegt ist. „Adhwaʾ Al-Bayan“ (Band 5, S. 342–343)

Die Weisheit des Übernachtens in Mina:

Frage: „Was ist die Weisheit hinter dem Werfen der Steine (Ramy Al-Jamarat) und dem Übernachten in Mina für drei Tage? Wir hoffen auf eine Erklärung von Ihrer geschätzten Person. Vielen Dank.“

Antwort von Shaykh Ibn Baz – möge Allah ihm barmherzig sein:  Der Muslim ist dazu verpflichtet, dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden auf ihm - zu gehorchen und den islamischen Vorschriften zu folgen, auch wenn er die Weisheit dahinter nicht kennt. Denn Allah hat uns befohlen, dem zu folgen, was der Gesandte gebracht hat und Sein Buch zu befolgen. So sagt Er, der Erhabene: Folgt dem, was zu euch von eurem Herrn hinabgesandt worden ist, (Surah al-Aʿraf, Ayah 3) Und das ist ein Buch, das Wir (als Offenbarung) hinabgesandt haben, ein gesegnetes (Buch). So folgt ihm (Surah al-Anʿam, Ayah 155) O die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten (Surah an-Nisaʾ, Ayah 59) Und was nun der Gesandte euch gibt, das nehmt; und was er euch untersagt, dessen enthaltet euch. (Surah Al-Ḥaschr, Ayah 7) Wenn man die Weisheit versteht, ist das gut und lobenswert – aber wenn nicht, ist es auch kein Schaden. Denn alles, was Allah vorgeschrieben hat, hat eine Weisheit – und alles, was Er verboten hat, hat ebenso eine Weisheit, ob wir sie kennen oder nicht. Das Steinwerfen (Ramy Al-Jamarat) ist offensichtlich eine Demütigung und Zurückweisung des Schaytan, und Gehorsam gegenüber Allah. Was das Übernachten in Mina betrifft: Allah weiß am besten, was die Weisheit dahinter ist. Vielleicht liegt die Weisheit darin, dass es das Werfen der Steine erleichtert, denn wer in Mina übernachtet, ist nahe an den Stätten des Ramy und kann sich darauf vorbereiten, Allah zu gedenken und das Ritual rechtzeitig zu erfüllen. Wäre er nicht in Mina, könnte es sein, dass er sich verspätet, das Werfen verpasst oder durch andere Dinge abgelenkt wird. Allah, der Erhabene, weiß am besten über die Weisheit hinter Seinen Anordnungen Bescheid. „Majmuʿ Fatawa Wa-Maqalat Al-Shaykh Ibn Baz“ (S. 380–382)

Weisheit des Steinwerfens (Ramy Al-Jamarat): Shaykh Muhammad Al-Amin Ash-Shanqiti – möge Allah ihm barmherzig sein - sagte: Wisse, dass zweifellos die allgemeine Weisheit hinter dem Steinwerfen darin besteht, Allah zu gehorchen bei dem, was Er befohlen hat, und Seiner zu gedenken, indem man Seinen Befehl – über den Propheten – Allahs Segen und Frieden auf ihm – befolgt.

Der Gelehrte Muhammad al-Amin al-Shanqiti – möge Allah ihm barmherzig sein - sagte: „Wisse: Es besteht kein Zweifel daran, dass die Weisheit des Steinwerfensim Allgemeinen – darin liegt, Allah in dem zu gehorchen, was Er befohlen hat, und Seiner zu gedenken, indem man seinen Befehl, der über Seinen Gesandten – Allahs Segen und Frieden auf ihm - übermittelt wurde, befolgt. Abū Dawud überliefert in seinen Sunan: Von Musaddad über ʿIsa Ibn Yunus, dieser über ʿUbaydullah Ibn Abi Ziyad, dieser über Al-Qasim, dieser über ʿAʾischah (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet hat, dass der Gesandte Allahs - Allahs Segen und Frieden auf ihm - sagte: „Wahrlich, der Tawaf um das Haus, das Gehen zwischen Safa und Marwah und das Werfen der Steine wurden nur dafür eingesetzt, damit Allahs Gedenken aufrechterhalten wird.“ „ʿUbaydullah Ibn Abi Ziyad, der hier erwähnt wurde, ist Al-Qaddah Abu Al-Husayn Al-Makki. Einige Gelehrte haben ihn als vertrauenswürdig (thiqah) eingestuft, andere jedoch als schwach (daʿif). Doch der Sinn seines Hadithes ist zweifellos korrekt. Dafür spricht auch die Aussage Allahs – erhaben ist Er – im Qur’an: Und gedenkt Allahs während einer bestimmten Anzahl von Tagen. (Surah Al-Baqarah, Ayah 203) Denn das Werfen der Steine (Ramy Al-Jamarat) gehört mit Sicherheit zu dem Gedenken, zu dem hier aufgerufen wird. Der Beweis dafür ist der darauffolgende Vers: Wer sich nun in zwei Tagen (mit dem Aufbruch) beeilt, den trifft keine Sünde, Das zeigt klar, dass das Ritual des Steinwerfens dazu dient, Allahs zu gedenken, wie es auch in den vorhergehenden Aussagen deutlich wurde. Doch diese Weisheit ist allgemeiner Natur. Imam Al-Bayhaqi – möge Allah ihm barmherzig sein – überlieferte in seinem Werk As-Sunan al-Kubra mit einer Marfuʿ (auf dem Propheten – Allahs Segen und Frieden auf ich – zurückzuführender Hadith) Überlieferungskette von Ibn ʿAbbas: „Als Ibrahim – der Freund Allah (Al-Khalil) – zu den Pilgerriten (Manasik) kam, da stellte sich ihm der Satan bei der Jamrat al-ʿAqabah (der großen Steinwerfstelle) in den Weg. Daraufhin warf Ibrahim ihn mit sieben kleinen Steinen, bis der Satan in der Erde versank.Dann erschien der Satan ihm bei der zweiten Jamrah (Jamrat al-Wusta), und er warf ihn wieder mit sieben kleinen Steinen, bis er in der Erde versank. Dann erschien der Satan ihm bei der dritten Jamrah (Jamrat Aṣ-Sughra), und er warf ihn erneut mit sieben kleinen Steinen, bis er in der Erde versank.“ Ibn ʿAbbas – möge Allah mit ihm zufrieden sein – sagte dazu: „Den Satan bewerft ihr – und ihr folgt der Religion eures Vaters (Ibrahim).“  „(Wortlaut aus) As-Sunan Al-Kubra“ von Al-Bayhaqi. Basierend auf dem, was A-Bayhaqi erwähnt hat, ist der im Ritus des Steinewerfens (Ramy al-Jamarat) beabsichtigte Gottesgedenken (Dhikru Allah) die Nachahmung (Iqtidaʾ) Ibrahims – Frieden sei auf ihm – im Feindschaft-Bekunden gegenüber dem Satan, seinem Werfen mit Steinen, und dem Sich-Nicht-Unterwerfen gegenüber dem Satan. Denn Allah sagt: „Wahrlich, ihr habt an Ibrahim ein schönes Vorbild.“ (Surah al-Mumtahanah, Ayah 4) So ist das Steinewerfen ein Symbol und Ausdruck der Feindschaft zum Satan, wie Allah uns dies befohlen hat: „Der Satan ist euch ein Feind, so nehmt ihn euch zum Feind!“ (Surah Fatir, Ayah 6) Und Allah tadelt jene, die mit dem Satan Freundschaft schließen: Wollt ihr euch denn ihn und seine Nachkommenschaft zu Schutzherren anstatt Meiner nehmen, wo sie euch doch feind sind? (Surah al-Kahf, Ayah 50) Und es ist bekannt, dass das Bewerfen mit Steinen zu den deutlichsten Formen der Feindseligkeit gehört.“ „Adwaʾ Al-Bayan“ (Band 5, S. 340–341) Dies ist ein Teil dessen, was wir an Aussagen der Gelehrten über die Weisheiten (Hikam) der Riten (Manasik) der Hajj gefunden haben. Die meisten davon beruhen auf persönlicher Auslegung (Ijihad) – und es gibt für viele dieser Einzelheiten keinen eindeutigen Textbeleg (Nass), der belegt, dass genau dies die beabsichtigte Weisheit hinter den Details dieser großen gottesdienstlichen Handlungen ist. Aus diesem Grund vertreten einige Gelehrte die Ansicht, dass die Riten der Hajj zu den Vorschriften gehören, deren Weisheit nicht vollständig erfassbar ist. Sie wurden in dieser speziellen Weise vorgeschrieben, um die Diener Gottes zu prüfen und zu erproben, wie gehorsam sie ihrem Herrn sind – denn Allah prüft Seine Diener, womit Er will.

Der Gelehrte Ibn Al-Jauzi, möge Allah ihm barmherzig sein, sagte: „Wisse: Der Grundgedanke der gottesdienstlichen Handlung (ʿIbadah) ist verständlich – nämlich die Demut des Dieners gegenüber seinem Herrn durch Gehorsam: Beim Gebet (Salah) etwa zeigt sich Demut und Unterwerfung, was die Bedeutung der Anbetung deutlich macht. In der Zakat liegt Mitgefühl und das Teilen mit anderen – ein nachvollziehbarer Sinn. Im Fasten (Saum) liegt die Zügelung der Begierden, sodass sich die Seele gehorsam ihrem Herrn fügt. Die Erhebung der Kaʿbah zur heiligen Stätte, ihre Einrichtung als Zielpunkt, sowie die Erklärung ihrer Umgebung zum heiligen Bezirk (Haram) – all das dient ihrer Erhöhung und Ehrung. Dass sich die Menschen ihr mit zerzaustem Haar und staubig, in einem demütigen und reuigen Zustand nähern – wie ein Diener zu seinem Herrn zurückkehrt – ist ebenfalls eine verständliche Symbolik. Die Seele fühlt sich zu gottesdienstlichen Handlungen hingezogen, deren Sinn sie versteht, und die natürliche Veranlagung hilft dann dabei, sie zu verrichten und motiviert dazu. Deshalb wurden ihr (der Seele) auch Handlungen auferlegt, deren Bedeutung sie nicht versteht, damit sie sich vollständig dem göttlichen Befehl unterordnet – wie etwa beim Saʿi (dem Lauf zwischen Safa und Marwa) oder beim Steinwerfen (Ramy Al-Jamarat). Denn diese Handlungen enthalten keine erkennbare Neigung für die Seele, sie bringen dem natürlichen Empfinden keine unmittelbare Freude, und der Verstand kann ihren Sinn nicht erfassen. Der einzige Beweggrund für ihre Ausführung ist daher allein der Gehorsam gegenüber Gottes Befehl und die reine Unterwerfung unter Seinen Willen. Durch dieses Verständnis werden die Geheimnisse der verborgenen (nicht verstandenen) Gottesdienste deutlich.“ „Mutir Al-ʿAzm As-Sakin“  (S. 285–286)

Die Quintessenz, lieber Bruder: Was dem Diener (dem Muslim) während der Ausführung der Hajj und ʿUmrah vorgeschrieben ist: Dass der Pilger und der ʿUmrah-Pilger sich ständig bewusst macht, was ihm in diesen Ritualen vorgeschrieben ist – und es gewissenhaft ausführt. Und dass er alles unterlässt, was nicht vorgeschrieben ist. Er soll sich um das Nachdenken und Verinnerlichen der vorgeschriebenen Bittgebete und Gedenkformeln (Adhkar) bemühen, die zu jedem Ritualakt in der Hajj und in der ʿUmrah gehören. Diese gehören zu den größten Zielen des Pilgerwegs, wie bereits dargelegt wurde. Daher soll der Pilger keinen Moment seiner Pilgerreise ungenutzt verstreichen lassen, sondern sich nach Kräften im Gedenken an Allah bemühen – und die Zeichen seines Herrn mit Ehrfurcht und Respekt hoch zu ehren.

Wie Allah sagt: Dies (ist so). Und wenn einer die Kulthandlungen Allahs hoch ehrt, so gehört das fürwahr zur Gottesfurcht der Herzen. (Surah Al-Hajj, Vers 32)

Für weitere Informationen über die korrekte Durchführung der Ḥajj und ʿUmrah sowie über die passenden Bittgebete (Adhkar) dazu, siehe die folgenden Fatawa-Nummern: 31822, 31819, 10508, 109246.

Und Allah weiß es am besten.

Referenz

Hajj und Umra

Quelle

Islam Q&A

Previous
Das Nächste
answer

Verwandte Themen

at email

Teilnahme an Email-Versand

Nimm am Email-Verteiler teil, damit du auf dem Laufenden bleibst

phone

App von Islam Q&A

Schneller Zugriff auf Inhalte und die Möglichkeit zur Offline-Navigation

download iosdownload android